Christian Dristram
Kategorie: Bildung, Forschung & Lehre
Referent für Internationalisierung an der Universität Mannheim

Christian Dristram

Ich arbeite seit Januar 2017 als Referent für Internationalisierung an der Uni Mannheim und bin dort unter anderem für den Aufbau eines internationalen Netzwerks an Partneruniversitäten zuständig. 

Aus welchen Gründen haben Sie sich zu einem Soziologie-Studium entschlossen?

Wie wahrscheinlich die meisten Abiturient/innen war ich mir gar nicht sicher, was ich studieren sollte. Letztlich hat es sich aber zwischen Soziologie, Politikwissenschaft und Lehramt entschieden. Eine Freundin hat mir dann geraten interdisziplinär Sozialwissenschaften zu studieren. Das habe ich dann auch in Hannover gemacht; hier gehören Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpsychologie und Verwaltungswissenschaften zum Studium dazu.

Mich haben gesellschaftliche Prozesse schon immer interessiert. Warum sind Menschen, wie sie sind und wie kann man das erklären? Diesen Fragen konnte ich im Studium auf den Grund gehen. Für den Master in “reiner” Soziologie habe ich mich dann vor allem entschieden, weil die methodische Ausbildung für mich hier vielversprechend war. 

Wie ist Ihr bisheriger Berufsweg verlaufen?

Bereits während des Studiums zwischen 2007 und 2010 an der Leibniz Universität in Hannover habe ich die Chance genutztgemeinsam mit einer Dozentin ein Projekt zur Studiengangsevaluation auf die Beine zu stellen, das mir ermöglicht hat, viele praxisrelevante Erfahrungen im Projektmanagement, der Projektleitung und im Qualitätsmanagement zu gewinnen.

Mein Jahrgang war erst der zweite Bachelorjahrgang und die Umstellung von Diplom auf die gestuften Studiengänge verlief etwas holprig. Wir haben für die Projektdurchführung 25.000€ eingeworben. Dadurch konnte ich u.a. als Hilfskraft eingestellt werden.

Darüber hinaus habe ich 2009 ein Praktikum bei der damaligen Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, absloviert. Drei Monate habe ich sie im Sommer im Wahlkampf zur Bundestagswahl unterstützt. Das waren sehr wertvolle Erfahrungen für mich, da ich sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen durfte und gleichzeitig eigene Ideen einbringen konnte. 

Zum Studium hat es mich nach Mannheim verschlagen. An der Universität Mannheim wird die Methodenausbildung groß geschrieben. Für spätere berufliche Perspektiven habe ich diese Ausrichtung als wichtig erachtet - auch, wenn ich jetzt nur noch indirekt von den Methodenkenntnissen profitiere. Hier habe ich neben dem Studium ein Jahr lang als Hilfskraft in einem Forschungsprojekt gearbeitet und anschließend ein Praktikum im universitären Qualitätsmanagement absolviert. Dort bot sich mir die Chance anschließend als Hilfskraft zu arbeiten. 

2012 habe ich direkt nach Abschluss des Studiums an der Fakultät für Sozialwissenschaften eine Elternzeitvertretung als Praktikumsmanager begonnen - mein erster Vollzeitjob als akademischer Mitarbeiter. Ich denke, dass ich diesen Job auch vor allem deswegen bekommen habe, weil ich sehr viel ehrenamtlich gemacht habe. Ich war z.B. Vorsitzender der Mannheimer Jusos. Deswegen hat man mir zugetraut vor großen Menschengruppen zu sprechen; eine der Hauptaufgaben bestand  nämlich darin, eine Vorlesung zu halten. 

Da eine Kollegin den Job wechselte, ergab sich für mich eine weitere Position an der Fakultät. Von Anfang 2014 bis Anfang 2017 war ich als Studiengangsmanager, Auslandskoordinator und Fachstudienberater in der Beratung und im Wissenschaftsmanagement tätig. Im Rahmen eines Projekts übernehme ich seit 2017 bis Ende 2020 die Aufgaben als Referent für Internationalisierung.

Was genau sind die Aufgaben eines Referenten für Internationalisierung?

Auf meiner Position kann ich die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ich als Auslandskoordinator sammeln konnte, ausbauen und einsetzen. Meine Hauptaufgabe ist die Pflege und der Ausbau eines großen, internationalen Netzwerks an Partneruniversitäten. Ich akquiriere also z.B. neue Austauschverträge für unsere Studierenden oder widme mich Fragen, die wir von Partnerunis gestellt bekommen.

Dazu gehört außerdem, dass ich den Auswahlprozess für unsere Austauschprogramme vorbereite und z.B. an Auswahlgesprächen teilnehme, die wir gemeinsam mit anderen Fakultäten und dem Akademischen Auslandsamt durchführen. Zur Netzwerkpflege besuche ich internationale Konferenzen, Messen sowie Partneruniversitäten auf der ganzen Welt, um die persönlichen Beziehungen zu verbessern.

Was sind Ihre Aufgaben bei internationalen Konferenzen und Messen?

Auf internationalen Konferenzen treffe ich Kolleg/innen aus der ganzen Welt, die ebenfalls im Bereich der Internationalisierung arbeiten. Vor allem treffe ich Vertreter/innen ausländischer Universitäten mit dem Ziel, einen Studierendenaustausch zwischen den Bildungseinrichtungen zu etablieren.

Diese face-to-face-Kontakte sind nicht durch die sonst übliche E-Mail-Kommunikation zu ersetzen. Diese Events haben einen großen Networking-Charakter und haben gleichzeitig auch etwas familiäres, da viele Kolleg/innen seit Jahren in dieser Branche arbeiten und sich untereinander gut kennen.

Darüber hinaus kann man an Workshops teilnehmen, die spezielle Fragen, Probleme oder Herausforderungen in der internationalen tertiären Hochschulbildung betreffen. 
Neben Konferenzen und Messen ist die Kontaktpflege am effektivsten, wenn man die Partneruniversitäten persönlich besucht. Auch das gehört zu meinen Aufgaben.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus? Womit verbringen Sie die meiste Zeit? 

Einen ganz typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht, da die Aufgaben sich täglich ändern und ich auch einige Wochen im Jahr in der Welt unterwegs bin. 
Üblicherweise verbringe ich aber viel Zeit am PC und beantworte bzw. schreibe Mails, recherchiere und verschriftliche Ideen. Ansonsten bespreche ich mich viel im Team und nehme an Besprechungen mit anderen Abteilungen teil. 

Konnten Sie nach dem Studium direkt in diesen Beruf einsteigen?

Ich hatte das große Glück, direkt nach dem Studium meinen ersten Job zu bekommen. Allerdings hatte dieser noch nichts mit Internationalisierung zu tun. Als Praktikumsmanager konnte ich prinzipielle, überfachliche Kompetenzen beweisen, die man im Wissenschaftsmanagement benötigt.

Ohne vorherige Berufserfahrung ist es eher nicht möglich als Referent für Internationalisierung tätig zu sein. Jedoch helfen internationale Erfahrungen und ehemalige Hilfskrafttätigkeiten mit internationalem Bezug sicher weiter. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten und wo liegen die Schwierigkeiten?

Am besten gefällt mir, dass kein Tag wie der andere ist und dass ich sehr flexibel hinsichtlich der Einteilung meiner Aufgaben bin. Natürlich ist es auch toll, dass man viel von der Welt sieht. Letztes Jahr war ich z.B. in Honolulu, Los Angeles und in Sevilla. Dieses Jahr besuche ich einige Städte in Schweden, Kanada und der Schweiz.

Die  freie Zeiteinteilung in meinem Job führt auf der anderen Seite dazu, dass man manchmal sehr viel parallel erledigen muss. Darüber hinaus besteht eine Herausforderung darin, dass es an einer staatlichen Hochschule in Deutschland viel mehr rechtliche Dinge zu bedenken gibt als bspw. an einer privat finanzierten Hochschule in den USA. Das birgt aber wiederum auch manche Vorteile. 

Hat Sie das Soziologie-Studium auf Ihren Beruf vorbereitet?

Während des Soziologiestudiums habe ich gelernt kritisch zu hinterfragen und Problemlösungswege zu finden. Außerdem war das Studium darauf ausgelegt, dass ich meine Fähigkeiten beim Präsentieren ausbauen konnte.

Die methodische Ausbildung hilft sehr viel dabei, wenn es darum geht, Daten, auf deren Basis man handeln soll zu hinterfragen und auszuwerten. Alles in allem sind es auf jeden Fall die überfachlichen Qualifikationen (Soft-Skills), die mir stark helfen.

Aneignen musste ich mir die relevanten Begriffe in der englischen Sprache, weil ein Studium natürlich nicht auf diese spezifischen Dinge Rücksicht nimmt. Generell ist das Thema Kommunikation auf Englisch etwas, was mir das Studium nicht so stark mitgegeben hat.

Was raten Sie Studierenden, die sich für eine Stelle als Referent/in interessieren? 

Schon als Studienberater habe ich meinen Studierenden empfohlen: Machen Sie das, worauf Sie Lust haben, dann sind Sie gut. Ich selbst bin in diese Position gekommen, ohne dass ich im Ausland studiert habe. Dass ich das nicht gemacht habe, bereue ich. Deswegen würde ich definitiv allen Studierenden empfehlen: Geht in’s Ausland!

Wenn man spezifisch im Bereich Internationalisierung arbeiten möchte, empfiehlt es sich, dass man sich z.B. ehrenamtlich in diesem Bereich engagiert; das geht bspw. als Buddy in Buddy-Programmen für internationale Studierende. Das erhöht auch die Chance, z.B. als Hilfskraft in einem International Office zu arbeiten.Wer Lust auf eine solche Tätigkeit hat, sollte versuchen sich Kompetenzen in den Bereichen Beratung, Projektmanagement und Rhetorik anzueignen. 

Aber wie bei allem anderen auch: Es gibt keinen linearen Weg zur Karriere in diesem Bereich. Man darf nie unterschätzen, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss und letztlich auch nicht beeinflussen kann, mit wem man um die Jobs konkurriert. Deshalb: Immer selbstbewusst bleiben und sich über seine eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein. Dann klappt es mit dem Job!

Vielen Dank für das Gespräch!
 

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Veröffentlicht am: 05. Februar 2018