Katja Hallbauer
Kategorie: Privatwirtschaft
Leitung der Unternehmenskommunikation eines Automobilzulieferers

Katja Hallbauer

Ich bin 31 Jahre und leite die Unternehmenskommunikation und das Marketing des Automobilzulieferers Preh Car Connect. Insgesamt sind wir 1.400 Mitarbeiter und beliefern die führenden Automobilhersteller.

Wie sind Sie zur Soziologie gekommen?

Auf das Soziologiestudium bin ich eher durch Zufall gestoßen. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren - meinen Studienplatz habe ich aber kurzerhand zurückgegeben und dann stand ich vier Wochen vor Semesterbeginn ohne Studienplatz da und vor allem ohne Idee, was ich machen kann. Alle anderen Studiengänge, die ich gut gefunden hätte, hatten einen internen NC und da war die Frist schon verstrichen.

Warten wollte ich allerdings auch nicht. Also hab ich Google noch einmal befragt und da kam Soziologie auf den Schirm. Klang ganz gut und ich dachte: Schön, da fang ich das erst mal an und dann kann ich ja später noch wechseln. Also hab ich mich eingeschrieben und drei Wochen später in Bielefeld begonnen, Soziologie zu studieren.

In der ersten Vorlesung ließ der Professor die vordersten vier Reihen immer zu dritt abzählen: Jeder Dritte musste nach vorn kommen. In dieser Gruppe war auch ich. Der Professor meinte dann zum Auditorium: “Ihr habt euch für Soziologie entschieden. Fein. Spannender Studiengang, aber ohne berufliche Zukunft. Jeder dritte Soziologe wird arbeitslos oder fährt Taxi.” Dann zeigte er auf uns und fügte hinzu “So, wie eure Kollegen hier.”

Ich war echt schockiert, dachte dann aber “Challenge accepted!” und hab mein Studium durchgezogen und bin weder arbeitslos noch fahre ich Taxi. Bzw. lasse ich mich fahren :)

Wie haben Sie Ihren Job als Leiterin der Unternehmenskommunikation gefunden?

Ich habe mich bereits im Studium in Richtung Kommunikationswissenschaften spezialisiert und einen Werkstudentenjob in der Sächsischen Staatskanzlei angenommen, um praktische Erfahrung zu sammeln, was bei einem so generalistischen Studium wie der Soziologie unabdingbar ist. Zumindest wenn man danach einen vernünftigen Job ergattern möchte.

Nach dem Studium habe ich nach einer kurzen Praktikumszwischenstation als Pressereferentin bei der Boston Consulting Group (BCG) - einer Unternehmensberatung begonnen. Für den Einstieg ein super spannender Job, bei dem ich sehr viel rumgekommen bin und viel gelernt habe. Leider war die Arbeit aber auf Dauer zu eintönig für mich und die Entwicklungsperspektiven haben mir nicht sonderlich zugesagt.

Also habe ich mich wieder beworben und bin zu TechniSat Automotive (jetzt Preh Car Connect) gekommen und habe hier auch als Pressereferentin angefangen. Nach einem Jahr wurde mir die Leitung der Kommunikation übertragen, später wurde ich die Chefin meiner Chefin. Eine sehr lehrreiche Zeit :) Heute leite ich nach der Neufirmierung den kompletten Bereich Unternehmenskommunikation und Marketing und bin direkt der Geschäftsführung unterstellt.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Es gibt zum Glück keinen typischen Arbeitstag. Für mich, die ich die Abwechslung liebe, ist das auch ein wirklicher Glücksfall. Grundsätzlich verläuft der Tag so, dass ich - nachdem ich mir einen Kaffee geholt habe - erst einmal die Mails checke. Danach schaue ich durch die wichtigsten Branchen-Meldungen des Tages und arbeite dann die wichtigsten Sachen ab.

Gerade gestalten wir den kompletten Außenauftritt des Unternehmens neu. Das bedeutet u.a.: Website neu gestalten, Bildwelten neu kreieren, Fototermine, Grafik-Meetings, Texte schreiben bzw. überarbeiten, und noch vieles mehr. Daneben stehen Planung von Kommunikationsmaßnahmen auf dem Plan, die Beratung der Geschäftsführung in allen strategisch-kommunikativen Fragen, Vorbereitung von Publikationen, Events, Reden schreiben, Werbemittel-Planung, Budget-Kontrolle, viele Meetings, usw. Wie man sieht: es wird definitiv nicht langweilig.

Was sind Ihre Aufgaben bei der Messeplanung?

Bei der Messeplanung starten wir gemeinsam mit der Vorentwicklung und überlegen, was wir welchem Publikum wo präsentieren möchten. Das bedeutet viele Besprechungen mit den Kollegen aus unseren Entwicklungsabteilungen, Absprache der Designs, etc. Parallel planen wir Logistik, Beschriftungen, Werbematerialien, Texte, Broschüren und die begleitende Pressearbeit. Es ist ein unglaublicher Organisationsaufwand, den wir im Team gemeinsam stemmen.

Was genau ist die strategische Unternehmenskommunikation?

Strategische Kommunikation kann man sich ein bisschen wie kommunikative Kriegsführung vorstellen. Auch wenn das jetzt vielleicht ein klein wenig hart klingt. Grundlegend kann man sich vorstellen, dass man ein Ziel X definiert und dies durch diverse Kommunikationsmaßnahmen erreichen möchte. Also muss man überlegen: Wen spricht man wie an, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Wann muss kommuniziert werden, welche Zielgruppe bedarf welcher Ansprache, welche Kanäle sind dafür nützlich, welche Netzwerke nutze ich als Multiplikator, uvm. Meine Rolle ist die Planung dieser Kommunikation und damit die Erreichung des Zieles.

Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?

Ich liebe an meiner Arbeit, dass sie äußerst abwechslungsreich ist und eigentlich keine wirklichen Grenzen hat. Wenn mich ein Thema besonders interessiert, kann ich mich in diese Richtung weiterentwickeln. Ich bin mit meinem Job an keine Branche gebunden. Kommunikation und Marketing gibt es überall. Das ist eine Form der Freiheit, die ich sehr schätze.

Wichtiger ist aber: Ich arbeite den ganzen Tag mit Menschen zusammen und kann damit sowohl den Einzelnen als auch das Unternehmen voranbringen und entwickeln. Dann die Früchte meiner Arbeit zu betrachten und zu sehen, dass es gut war, was ich gemacht habe, ist ein sehr schönes Gefühl. Macht ein bisschen süchtig, muss ich zugeben.

In der Zusammenarbeit mit Menschen liegt allerdings auch oft die Schwierigkeit: Nicht alle haben die gleichen Interessen. Da muss man recht häufig verschlossene Türen mühsam aufschließen und viel diskutieren, Geduld haben und Überzeugungsarbeit leisten. Ein weiteres Problem ist allerdings auch, dass Kommunikation meistens unterschätzt wird. Oft höre ich, dass Kommunikation „nichts Besonderes“ sei und man das doch einfach könne, weil „es jeder täglich macht“. Dann muss man erklären, erläutern und beweisen und danngeht es wieder ein paar Türen weiter.

Die Wichtigkeit von Kommunikation im Unternehmen - gerade als Wirtschaftsfaktor - haben bisher die wenigsten verstanden. Leider. Wir arbeiten dran, dass sich das ändert. ;)

Wie profitieren Sie von Ihrem Soziologie-Studium?

Ich kann mich u.a. sehr schnell in neue Sachverhalte einarbeiten, Zusammenhänge finden und verknüpfen beispielsweise. Das habe ich im Soziologiestudium gelernt. Ansonsten kommen mir natürlich viele Studieninhalte zugute, wie zum Beispiel: Sinus-Milieus, etc., die ich im täglichen Arbeitsalltag gut gebrauchen kann.

Was raten Sie Studierenden, die sich für eine Stelle in der Unternehmenskommunikation interessieren?

Definitiv im Studium frühzeitig spezialisieren und dann viel praktische Erfahrung sammeln, damit man nach dem Studium einen schnellen Einstieg ins Berufsleben schaffen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Veröffentlicht am: 20. September 2017