Sarah Brinkmann
Kategorie: Privatwirtschaft
Managerin für Corporate Social Responsibility

Sarah Brinkmann

Nach meinem Soziologie-Studium konnte ich direkt als Trainee bei meinem heutigen Arbeitgeber, der Gerry Weber International AG, einsteigen. Seit 2017 bin ich dort als Managerin für Corporate Social Responsibility tätig.

Aus welchen Gründen haben Sie sich zu einem Soziologie-Studium entschlossen?

Mich haben schon immer gesellschaftliche und politische Themen fasziniert, ich liebe es mich auszutauschen und zu diskutieren. Zudem war ich 2001/2002 in der 11. Jahrgangsstufe ein Jahr als Austauschschülerin in New York, USA. Aufgrund der prägenden Ereignisse die den Terrorangriffen des 11. September folgten, entschied ich mich dafür, den Bachelor in Politikwissenschaften zu studieren. Während des Studiums konnte ich in einige Soziologiethemen reinschnuppern und war begeistert, sodass ich mich für den Master in Soziologie entschied. Vor allem faszinierten mich dabei Themen der Systemtheorie, Gender Studies und Organisationssoziologie, gerade auch in Bezug auf die Digitalisierung und Soziale Medien. 

Wie verliefen Ihr Studium und Ihr Berufseinstieg?

Ich habe meinen Master in Soziologie in meiner Heimatstadt an der Universität Bielefeld absolviert. Die Fakultät hat überregional einen sehr guten Ruf, was nicht nur am Systemtheoretiker Niklas Luhmann liegt, der der von 1968 bis 1993 an der Universität Bielefeld forschte und lehrte. Für mich ist er einer der prägendsten deutschen Soziologen des 20. Jahrhunderts, auch wenn mir vieles unbegreiflich bleibt :-)

Mein obligatorisches Praktikum habe ich im Verteidigungsausschuss im Bundestag absolviert, eine richtig spannende Zeit! Da ich nach meinem Abschluss aber nicht wirklich wusste was ich machen möchte, habe ich mich um einen Platz als Trainee bei meinem jetzigen Arbeitgeber beworben. Ich lernte in einem Jahr vier Abteilungen kennen und hatte das Glück, im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) fest angestellt zu werden. Besser hätte es für mich nicht laufen können. 

Was genau sind Ihre Aufgaben als Managerin für Corporate Social Responsibility?

Die Aufgaben sind vielseitig, verändern sich ständig und es kommen stets neue dazu. Genau das liebe ich an meinem Job!

Ein Großteil meiner Arbeit besteht in der Betreuung von den weltweit für uns produzierenden Nähereien. Wir haben keine eigenen Produktionsstätten und lassen vor allem in Asien und Türkei produzieren. Wir haben hohe Sozial- und Arbeitsstandards, die es einzuhalten gilt. Wichtig ist, dass unsere Beurteilung eines potenziellen Lieferanten in die Entscheidung eingeht, ob mit ihm gearbeitet wird oder eben nicht. Hält er gewisse Standards nicht ein und wurde bei ihm kein Sozialaudit durchgeführt, ist er als Geschäftspartner nicht geeignet. 

Zusätzlich haben wir einen menschenrechtliche Risikoanalyse implementiert, die regelmäßig aktualisiert wird. So wird deutlich, in welchen Ländern welche Risiken besonders hoch sind, worauf schon im sourcing process zu achten ist. 

Eine weitere wichtige Aufgabe, die mir großen Spaß macht, ist das Thema Nachhaltigkeit. In meiner Abteilung ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung verankert, wir veröffentlichen jährlich einen Bericht. Da es immer mehr Gesetze und Sorgfaltspflichten gibt, wird diese Berichterstattung zu einem immer größeren Teil meiner täglichen Arbeit. Wir wollen aber nicht nur berichten, sondern auch gestalten.

So ist mir meine interdisziplinäre Arbeitsweise aus dem Studium sehr hilfreich wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen geht. Anknüpfungspunkte gibt es vor allen mit den Bereichen Produktion, Design, Energie-/Umweltmanagement, Compliance und Produktökologie. Wir haben im Laufe der letzten Jahre zum Beispiel Kollektionen aus Biobaumwolle eingeführt und die Nutzung von Echtpelz und Angora verboten. Dazu habe ich im Vorfeld Recherche- und Aufklärungsarbeit geliefert, auf die Verantwortliche ihre Entscheidungen gestützt haben. Direkt dem Vorstand zu berichten ist dabei ein großer Vorteil.

Zu meiner Arbeit gehört auch Reisen. Besonders interessant sind die Reisen zu den Nähereien im Ausland, ich liebe es, neue Kulturen und Länder kennenzulernen, fernab vom Tourismus. Es erweitert den eigenen Horizont und rückt Dinge wieder in die richtige Perspektive. Auch innerdeutsche Reisen zu Mitbewerbern, Initiativen wie dem Textilbündnis und anderen Plattformen und Verbänden zum Austausch sind Teil meiner Arbeit. 

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job?

Die Durchsetzungskraft. Wobei es in den letzten Jahren besser und einfacher geworden ist. Die CSR Abteilung wurde vor Jahren neu gegründet, damals waren wir mit dieser Entscheidung eins der ersten Unternehmen unserer Branche und Größe. Im Unternehmen dauerte es aber, bis Entscheidungsträger verstanden haben, Entscheidungen nicht nur aufgrund rein finanziellen Kriterien zu treffen. Aufgrund von Gesetzen, beispielsweise der Pflicht zur Berichterstattung über nicht-finanzielle Aspekte und dem von der Bundesregierung initiierten Textilbündnis, hat sich der Stellenwert und die Wahrnehmung der CSR deutlich verändert und verbessert. 

Außerhalb des Jobs habe ich öfter das Problem, erklären zu müssen was CSR ist und was man als CSR Managerin so macht :-) Daran bin ich mittlerweile aber gewöhnt :-)

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut? Was nicht so?

Ich liebe es, dass jeder Tag unterschiedlich ist, bezogen auf Aufgaben. Dass man sich immer wieder neu in Themen einarbeiten muss, sie sowohl recherchiert, als auch fürs Unternehmen verarbeitet und anpasst und ebenfalls bei der Umsetzung dabei ist. Ich liebe den Umgang mit den Kollegen in den Büros in Shanghai und Istanbul und die internationale Arbeitsweise, vieles ist auf Englisch. 

Was mir nicht so gut gefällt ist, dass man in idealistisches Denken schnell aufgeben musste. Ich arbeite in einem Wirtschaftsunternehmen. Es geht vor allem um Wachstum, Umsatz, Gewinn. Allerding ist eine deutliche Veränderung hin zu nachhaltigen Aspekten auszumachen, starre rein finanzgetriebene Strukturen werden weicher.  
  

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Einen wirklich typischen Arbeitstag gibt es nicht. Da ich und meine Kollegin das CSR Team bilden, also eine sehr kleine Abteilung sind, ist der wichtigste Bestandteil in der täglichen Arbeit die Kommunikation. Wir stimmen uns ab, was so anliegt, wer sich um was kümmert und halten uns up to date, sodass wir auf demselben Informationslevel sind. 

Natürlich gibt es Standardaufgaben die wöchentlich bzw. in regelmäßigen Abständen erfolgen, aber im Großen und Ganzen ist jeder Arbeitstag unterschiedlich strukturiert. Im Laufe der letzten Jahre habe ich gemerkt, dass genau diese Abwechslung mich motiviert. 

Was unterscheidet die Arbeit in der Modebranche von anderen Branchen?  

Da ich bisher ausschließlich in der Modebranche tätig war, kann ich nur spekulieren. Ich denke aber, dass die Modebranche sehr schnelllebig und teilweise oberflächlich ist. Daher war es zu Beginn auch so schwierig, nachhaltige Themen und Denkweisen im Unternehmen zu implementieren.

Wieso sind Sie als Soziologin so gut für den Job geeignet?

Im Studium habe ich vor allem gelernt, analytisch zu arbeiten. Ein Problem von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten und zu bearbeiten. Dies hilft mir ungemein wenn es um neue Themen geht und um die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachbereichen. Es gelingt mir so häufig einen für alle Beteiligten gehbaren Mittelweg zu finden.Im Soziologiestudium musste man sich ständig mit verschiedensten Theorien, Ansichten, Meinungen beschäftigten.

Es ging nicht ums klassische richtig/falsch Denken und Lernen sondern um passende Lösungen zu verschiedenen Problemen, Akteuren und Situationen zu finden. Diese Arbeitsweise hilft ungemein bei Konflikten und Problemen, gerade auch im Berufsalltag.

Haben Sie das Gefühl, etwas in der Welt verbessern zu können? Oder ist das zu idealistisch?

Das ist eine schwierige Frage. Sicherlich hatte ich zu Beginn den Anspruch und das Ziel. Aber man muss akzeptieren, dass man in der Wirtschaft arbeitet. In diesem Rahmen kann man sicherlich eine Menge verändern, man wird aber auch schnell desillusioniert.

Es macht einen aber auch demütig, denn auch kleine Schritte führen zu einer faireren Welt. Sogar die ganz, ganz kleinen :-) Mir persönlich bedeutet es schon sehr viel, zum Umdenken beitragen zu können; wenn fachfremde Kollegen von sich aus bei bestimmten Fragen und Entscheidungen uns um unsere Einschätzung und Expertise bitten. 

Wie viel Idealismus steckt in Ihrer Arbeit?

Wir betreiben kein Greenwashing. Die nachhaltigen Themen über die wir berichten werden auch wirklich so durchgeführt und gelebt im Unternehmen. Natürlich könnte noch viel mehr geändert und verbessert werden, aber der Weg ist das Ziel. Natürlich haben wir Ziele wie existenzsichernde Löhne entlang der gesamten Lieferkette. Allerdings können wir als Unternehmen allein dies nicht schaffen. Dazu gehören Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Regierungen der jeweiligen Länder.

Es ist manchmal nicht leicht im Wohle des Unternehmens zu handeln und gleichzeitig zum Wohle der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Lieferkette. Was aber wichtig ist: Wir sind uns der Herausforderung bewusst und wir arbeiten daran.

Hat Sie Ihr Studium ausreichend auf den Job vorbereitet oder mussten Sie sich viel Wissen zusätzlich aneignen?

Inhaltlich habe ich mir im Laufe des Trainee-Jahres vieles aneignen müssen. Auch die Art und weise wie ein Wirtschaftsunternehmen denkt und handelt war komplett neu für mich. So gesehen wurde ich nach dem Studium ins kalte Wasser geschubst. 

Was empfehlen Sie Studierenden, die sich für einen Job in der Modebranche bzw. in der Corporate Social Responsibility interessieren?

Definitiv schon während des Studiums ins Ausland zu gehen und Praktika in Wirtschaftsunternehmen zu absolvieren! Egal um welche Branche es sich handelt, aber besonders in der Modebranche gilt: man muss sich mit dem Produkt identifizieren können, es ein Stück weit lieben, um beste Leistungen zu bringen und vor allem Leidenschaft für seinen Job zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Veröffentlicht am: 05. März 2019